Montag, 6. Mai 2013

Vom Gutshof zum Museum, vom Fischerdorf zum Yachthafen

Urlaub im Nordosten Mallorcas, 1.-12. Mai 2013 (6/12)


Nach den gestrigen Ausflügen in die weitere Umgebung bleiben wir diesmal in der Nähe. Nur ein kleiner Abstecher zur Finca Son Real steht auf dem Programm, einst das größte Landgut weit und breit, das über mehrere Kilometer von der Landstraße bis zum Meer reicht. Inzwischen wurde es vom Staat aufgekauft und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, das Gelände teils naturiert, teils weiterhin bewirtschaftet - und sei es auch vorrangig zu konservatorischem Zeck. Die verlassenen Gebäude werden restauriert, die bereits fertigen beherbergen ein Museum und ein Informationszentrum.


Auf den blühenden Wiesen Heerscharen von Vögeln, wir erkennen Stieglitze und Kernbeißer(?), in der Luft Schwalben und Spatzen. Um die Gebäude herum weiden wie zur Begrüßung ein paar Esel und erneut schwarze Schweine. In der Ferne das Gebimmel von Schafen unter Mantelbäumen. Wir wandern erst mal durch die von Kiefern, wilden Olivenbäumen und Zistrosen bewachsene Heide, die sich manchmal zum Wald verdichtet. Ständig durchqueren wir andere Landschaften, so viel Abwechslung hätten wir hier nicht erwartet. Heute mutet das wie eine mediterrane Variante des nordholländischen Dünenreservats an. Bald sehen wir die „Obeliske“, das tiefblaue Meer und die Hügel am Ende der Bucht zwischen den Bäumen auftauchen. Dann geht es ein Stück am Meer entlang, wir passieren einen kleinen Steinbruch und eine Grabhöhle, die uns bei der Küstenwanderung nicht aufgefallen waren. Die Grabkammern am Meer aber lassen wir diesmal rechts liegen und schwenken wieder landwärts ein.



Den Greifvögel über den Bäumen verlieren wir aus den Augen, ehe wir ihn bestimmen können. Aber dass dieser kunterbunte Vogel, den wir am Wegrand aufscheuchen, ein Wiedehopf ist, daran besteht kein Zweifel. Leider verschwindet er im Wald, ehe ich ihn fotografieren kann. Wir gehen ihm ein Stück nach, aber er taucht nicht mehr auf. Dafür entdecke ich eine Landschildkröte nur zwei Meter vom Weg entfernt, die es nicht so eilig hat und sich bereitwillig von mir ablichten lässt. Später dann noch ein Wiedehopf aus größerer Entfernung. Immerhin begegnen wir heute schon mal Spaziergängern oder Birdwatchern (erkennbar an Fernrohren auf Stativen und mächtigen Teleobjektiven an ihren Kameras).

Zurück am Informationszentrum kaufe ich einen tollen deutschsprachigen Führer über die Finca und das Gelände. Dann besichtigen wir - wie so oft als einzige Besucher - das Museum in den ehemaligen Schafställen und einem angrenzenden, früheren Wohnhaus. Es sitzt niemand am Eingang und gibt keinen Hinweis auf Eintrittsgebühren, also starten wir durch. Die permanente Ausstellung zur Geschichte der Gegend, zu der Arbeit und dem Leben auf der Finca sowie zu den archäologischen Stätten und Funden erweist sich als sehr informativ und hervorragend aufbereitet, zudem mehrsprachig ausgeschildert. Warum gibt es in der Touristeninformation im benachbarten Ca’n Picafort nicht mal einen lausigen Hinweis darauf? Warum ist hier niemand?






Draußen schauen wir uns die übrigen nicht zugänglichen Gebäude zumindest von außen an. Schweine und Esel haben sich inzwischen in den Schatten verzogen, selbst ich habe erstmals den Pullover ausgezogen und gehe im T-Shirt. Noch ein Abstecher nach Can Picafort, um im Supermarkt gebrannte Mandeln, salzige Chips und Bier zu kaufen. Ob die vielen Leute, die hier herumlaufen oder auf den Liegewiesen der Hotels (von der Durchgangsstraße aus einsehbar) in der Sonne dösen, überhaupt wissen, was es alles Tolles in der näheren Umgebung zu sehen gibt?










Ein frühes Abendessen (alles gebraten: Thunfisch, Kartoffeln, grüner Spargel für R., kleine, grüne Paprika für mich), danach noch mal mit dem Auto los zum nächsten Küstenort im Osten, Colonia de Sant Pere, zu Füßen der über 500 Meter hoch aufragenden, felsigen Hügel der Peninsula de Llevant. Ein unspektakulärer, beschaulicher Ferienort, ehemaliges Fischerdorf, mit schönen Häusern an der Promenade, einem kleinen Sandstrand und einem Hafen. Wir spazieren etwas an der Küste entlang bis zm nächsten Obelisken, vorbei an eine ehemaligen Mühle und hohen Algarven, nun mit umgekehrtem Blick auf die Bucht von Alcudia und die dunstigen Hügel im Westen.






In einem Tante Emma-Laden an der Dorfkirche kaufen wir uns ein Eis am Stiel und essen es auf der Promenade. Der Ort wird bevölkert von einer Mischung aus Einheimischen, gewöhnlichen Toruristen wie unsereins sowie reicheren Yacht- und Eigenheimbeistzern, die jetzt mit teuer gekleideten Kindern in den schicken Strandrestaurants sitzen und vermutlich das Villenneubaugebiet im Westen des Ortes bewohnen. Im Yachthafen schlendern wir noch bis zum Ende der Mole, dort fotografiere ich eine ältere Dame mit Hut, die angelt, und sammle noch ein paar abstrakte Bilder, tanzende Spiegelmuster der Bootsmaste auf dem Wasser.








Weil das Licht so schön ist, machen wir bei der Rückfahrt außerhalb des Dorfes noch einmal an einem gelbgrün leuchtenden Kornfeld halt, dahinter das Meer und die Hügelkette der westlichen Halbinsel, und spazieren einen der wenigen öffentlich zugänglichen Feldwege entlang. Das ist eines der wenigen Mankos hier, dass der Zugang zum Land, auch wenn es gar nicht mehr agrarisch genutzt wird, meist gesperrt ist. Leider kein Vergleich mit den Public Rights of Way in Großbritannien oder dem öffentlichen  Wegenetz in der Eifel.