Montag, 2. Januar 2012
Am Morgen nach der Schlacht
Monday, Monday - das Klagelied aller Werktätigen. Willkommen in der Regenzeit. Wenigstens scheint der Regen jetzt seine Betriebstemperatur erreicht zu haben. Denn die Kopfschmerzen sind zwar noch nicht fort, aber bei weitem nicht mehr so stark wie an den Vortagen mit ihren zweistelligen Temperaturen. Während im Dorf, wo wir den Jahresübergang bei B. und H. ganz in Ruhe verbrachten, bereits am Sonntag alle Überbleibsel des nächtlichen Feuerwerks beseitigt waren, sieht die Stadt auch heute noch wie ein Schlachtfeld aus. Die Straßen und Bürgersteige sind übersät mit den Resten zerfetzter Knaller und abgefeuerter Raketen, mit allerlei Blindgängern, Glasscherben und leeren Flaschen, denen ich auf dem Weg zum Bahnhof ein ums andere Mal mit dem Rad ausweichen muss. Da werden die städtischen Räumpanzer Kehrmaschinen noch einiges zu tun haben. In Viersen angekommen, prasselt der Regen mit voller Wucht. Ich liebe das. Um nicht vollends zu verweifeln, fange ich sogar zu singen an. Nicht in Anwesenheit anderer, nicht in der Badewanne, aber auf dem Rad im Regen. Weil ich das unerträglich optimistische „I Will Survive“ nicht ausstehen kann, brumme ich lieber „Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz“. Das Aquaplaning ist teilweise so stark, dass der Dynamo ins Leere greift und das Licht ausgeht. Zum Glück sind die Straßen noch schulferienleer. Manchmal kann ich den Verlauf des Radweges nicht mehr erkennen. Da muss ich mich dann ganz darauf verlassen, dass das Rad den Weg kennt. Jetzt ist die Zeit, in der ich nicht nur im Dunkeln zuhause losfahre, sondern auch unterwegs - von der Lichtverschmutzung am niedrigen Wolkenhimmel über den Städten abgesehen - keinerlei Morgendämmerung in Sicht ist. Stockdüster ist es auch noch bei der Ankunft am Büro. Ich tröste mich mit der Liedzeile „The darkest hour is just before dawn“ und, dass es jetzt jeden Tag etwas früher hell wird. Aber ja doch, es geht dem Frühling entgegen.
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