Freitag, 27. Januar 2012
Jägerlatein
Wie zur Begrüßung an diesem Eifelwochende, sehen wir, nachdem wir die Autobahn verlassen haben, auf dem Weg nach Reetz auf einer Wiese am Rande der alten Militäranlage etwas Weißes über den aufgewühlten Boden huschen. R. fährt sofort rechts ’ran. Und was uns das aus einem Mauseloch beäugt, aber kaum weiter beachtet, ist tatsächlich ein Hermelin. Wir sind hin und weg. Ich krame die Kamera hervor und fotografiere, wie der kleine Bursche immer mal wieder in einem Loch verschwindet und einem anderen zum Vorschein kommt, flach und lang gestreckt über den Boden schleicht oder sich aufrichtet und um sich schaut. Welche eine Ironie, das weiße Winterfell (nur Augen, Nase und Schwanzspitze sind schwarz), das ihn eigentlich im Schnee tarnen soll, macht uns mangels Schnee erst auf ihn aufmerksam. Irgendwann hält ein Wagen mit einheimischem Nummernschild neben uns an. Ein älterer Mann steigt aus und fragt, ob er uns helfen kann. Nein, nein, winken wir ab, wir beobachten nur einen Hermelin. „Den habe ich noch nie im Leben gesehen“, strahlt die Liebste ihn an. „Doch, doch“, winkt er ab, „den habe ich schon geschossen.“ Als sei Schießen die Steigerung von Sehen. Und wie zur Beschwichtigung erläutert er, dass Hermeline schließlich andere Tiere fressen. „Die gehen einem Feldhasen an die Kehle und saugen ihm das Blut aus.“ Auch wenn wir nicht widersprechen, klingt das doch arg nach Jägerlatein. Gleichwohl finden wir es natürlich ausgesprochen nett, dass sich der Herr nach unserem Wohlbefinden erkundigt und Hilfe anbietet, wofür wir ihm sehr danken. Später lese ich, dass es tatsächlich ein weit verbreiteter, aber erfundener Mythos sei, dass Hermeline anderen Tieren das Blut aussaugen. Jetzt muss nur noch Schnee fallen, damit sich das weiße Fell auch lohnt.
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2 Kommentare:
Das ist ja der Wahnsinn! Tolle Bilder! Danke fürs Einstellen :-)!
WOW!
Mein fell ist nun gruen vor neid....das faellt auch auf!
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