Obwohl wir beide ziemlich in den Seilen hängen - R.s Erkältung erreicht und überschreitet am Wochenende ihren Höhepunkt, meine wird immer noch schlimmer (verspätete Ansteckung) -, entschließen wir uns dennoch, in die Eifel zu fahren. Auf dem Sofa liegen und Tee trinken können wir auch dort. Das Wetter ist ebenso trübe wie an den letzten beiden Wochenenden zuhause. Gelegentlich nieselt es. Aber schlapp, wie wir sind, können wir eh kaum länger als eine halbe Stunde am Stück nach draußen gehen. Zumindest haben wir alle Vorräte (zum Essen, Trinken, Lesen und Musikhören) dabei, um nicht einkaufen zu müssen. Und wir verbringen tatsächlich die meiste Zeit im Liegen, ob lesend, Musik hörend oder schlafend. Allem Wehklagen zum Trotz wissen wir schon, dass richig krank andere sind (gute Besserung, T. und R.!). So elendig wir uns auch fühlen, das geht vorbei und ist eher unter der Rubrik "lästig" zu verbuchen. Selbst der heftige nächtliche Krampf in beiden Oberschenkeln (das hatte ich noch nie) ist zwar sehr schmerzhaft und etwas Angst einflößend, doch die Liebste steht mir bei und es wird wohl nur Magnesiummangel sein..
Die wenigen Gänge vor die Tür führen uns selbstverständlich auch zu J.s Kamerunschafen, die allesamt - fünf Lämmer und vier Muttertiere - wohlauf, putzmunter und wie immer sehr zutraulich sind. Da J. sie vielleicht an einen anderen Schafhalter abgeben will, statten wir ihnen gleich zwei Besuche ab, solange sie noch hier sind. J. zeigt uns ganz stolz seinen 50 Jahre alten, geerbten Bautz-Trecker, den er gerade komplett restauriert, und M. die neusten ihrer tollen, abstrakten Gemälde, von denen eines auf einem Foto von mir basiert. Als wir draußen beieinander stehen, ertönt plötzlich ein Trompeten in der Luft, das näher kommt: Ein Schwarm Kraniche, es sind weit mehr als hundert Vögel, zieht über uns hinweg. Ehrfurcht einflößend.
Überhaupt die Vögel. Auf dem Hinweg haben wir bereits vom Auto aus in der grün beflaumten Ebene bei Euskirchen eine Gruppe von zehn schneeweißen Silberreihern gesehen, die dort umherstolzierten, und, wie wir vermuten, in der Gegend überwintern. Der Gesang der heimischen Singvögel ist im Dorf - nicht anders als in der Stadt, aber ohne das urbane Hintergrundrauschen - morgens und abends in der Dämmerung am lautesten, obwohl noch gar keine Zugvögel zurückgekehrt sind. Im Garten sehen wir allerlei Meisenarten (darunter zum ersten Mal auch Haubenmeisen), Wacholderdrosseln, Gimpel, Goldammern und Grünfinken. Ganz nahe knabbern sie auf dem Pflaumenbaum an den jungen Trieben. Die Dohlenbande vom Kirchturm begegnet uns gleich mehrfach. Als wir uns einer Baumgruppe am Dorfrand nähern, schallt von dort Vogelgezwitscher so laut herüber, dass es sich um einen Schwarm mit hunderten Vögeln handeln muss. Als wir näher kommen, schweigen sie mit einem Schlag und huschen zwischen dem dichten Gezweig von dannen, ohne dass wir sie zu Gesicht bekommen. Zwei Rehe, denen das auch nicht geheuer ist, spurten ebenfalls davon.
Als wir (das übliche Pflichtprogramm) auf den Kalvarienberg steigen, sehen wir von oben, wie ein Milan über die Gärten des Dorfes streicht und sich allmählich in die Höhe schraubt. Mühelos und sehr majestätisch. Als Maus oder Wiesel muss einem da ganz anders zumute werden. Auf dem Rückweg passieren wir eine ganze Flottille von herausgeputzten Oldtimern, die offenbar an einer der beliebten Eifel-Rallyes teilnehmen. Demnächst kann sich J. mit seinem Traktor anschließen.
Bei unserem sonntäglichen, kurzen Gang durchs Dorf findet die Liebste einen regungslosen, aber lebendigen Molch mitten auf der Straße. Den muss sie sogleich retten und in Sicherheit bringen, indem sie ihn auf ein Stoffstück setzt und im feuchten Gras am Rande eines Baches aussetzt. Die wenigen Farbtupfer in der spätwinterlichen Landschaft sind an diesem Wochenende vor allem die Krokusse, die überall neben den Schneeglöckchen in den Gärten und Vorgärten der Häuser blühen. Selbst im Garten von B. und H. haben ein paar überlebt, die H. und R. einst dort aussetzten. Ansonsten scheinen aber auch eine Reihe von Pflanzen die kurze, heftige Kälteperiode mit Temperaturen von unter minus zwanzig Grad in diesem Winter nicht überlebt zu haben. Jetzt wartet alles auf den Frühling. Und wenn wir wahrscheinlich zu Ostern wiederkommen werden, um B. und H. dort zu besuchen, wird dieser bereits in vollem Gange sein.
































1 Kommentar:
ach, ihr armen....hoffentlich habt ihr euch gut erholt!
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