How does it feel runnin' around round round
how does it feel watchin' from upside down
'cos many years from now there will be new sensations
and new temptations - How does it feel
how does it feel watchin' from upside down
'cos many years from now there will be new sensations
and new temptations - How does it feel
How does it feel right at the start
and how does it feel when you are thrown apart
'cos many years from now there will be new elations
and new frustrations - How does it feel? Oh! Oh!
Do you know know know what it's like to be searchin' in your own time
all your attempting experimenting all on the climb
do you know know know what it's like to be searchin' and suddenly find
all your illusion, all your confusion all left behind
and how does it feel when you are thrown apart
'cos many years from now there will be new elations
and new frustrations - How does it feel? Oh! Oh!
Do you know know know what it's like to be searchin' in your own time
all your attempting experimenting all on the climb
do you know know know what it's like to be searchin' and suddenly find
all your illusion, all your confusion all left behind
How does it feel turnin' away and how does it feel facing another day
'cos many years from now there will be newer poisons and new horizons
'cos many years from now there will be newer poisons and new horizons
'cos many years from now there will be new tomorrows and still some sorrows”
Slade: “How Does It Feel” (1974)
Sie müssen jetzt stark sein. Denn ich werde Ihnen einen englischen Musikfilm aus dem Jahr 1974 empfehlen, bei dem Sie kaum ein Wort verstehen werden und die Musiker der Band Slade nicht nur den Soundtrack beisteuern, sondern auch die Hauptrollen spielen. Das soll wohl ein Witz sein, werden Sie denken. Und in gewisser Weise ist der Film auch ein Treppenwitz der Musik- und Filmgeschichte. Oder doch eher eine verrückte Laune. Ein Irrtum ist er auf jeden Fall. Nicht einmal sein Titel stimmt. Auch das Plakat und das Cover der Soundtrack-LP leiten in die Irre. Der Film fiel bei Fans und Kritikern gleichermaßen durch und beendete den Höhenflug der Band. Und doch gilt er inzwischen unter englischen Musik- und Filmkritikern als Meilenstein der Rockfilmgeschichte. Wie passt das alles zusammen?
Die Band
Slade war - das wird allen, die Ende der Fünftiger oder Anfang der Sechziger Jahre geboren wurden, noch in guter Erinnerung sein - in der ersten Hälfte der Siebziger Jahre ein englischer Hitlieferant sondergleichen. Aber spielten die nicht diesen anspruchslosen Glamrock und unterwarfen sich dem geschmacklosen Glitzerlook jener Tage, werden Sie einwenden. Natürlich war Slade in erster Linie eine gute Laune verbreitende Partyband, deren eingängig stampfender Krachmacherrock zwar keine Ecken und Kanten aufwies, aber dafür eingängige Refrains, die zum Mitsingen (Mitgrölen) einluden. Das war nicht anspruchsvoll, nicht progressiv und lässt sich auch im nach hinein nicht als Protopunk aufwerten. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie in meinen frühen Teenyjahren während der schulischen Mittagspause die Klänge von Slade neben denen von Mungo Jerry, T. Rex, Sweet, Alice Cooper, Suzie Quatro und Deep Purple (to name but a few) durch die Aula des bischöflichen Jungengymnasiums schallten. Aber volle Kanne! Im Gegensatz zu vielen ihrer Weggefährten, die sich ihre Instanthits für die Teenager der Baby Boomer-Generation vom bewährten, überaus erfolgreichen Duo Chinn-Chapman schreiben und produzieren ließen, konnte Slade gleich mehrfach punkten: Die Band galt als glaubwürdige, authentische Working Class-Band (aus Wolverhampton), schrieb ihre Stücke selber, besaß mit Chas Chandler (Mitglied bei den Animals, der schon Jimi Hendrix produzierte) einen seriösen Produzenten und hatten sich in vielen Konzerten eine enorme Reputation als Live-Act erspielt, bestand also nicht aus lauter Playback-Hampelmännern, wie sie die Fernsehbildschirme bevölkerten. Und sie konnte neben ihren gewohnten Krachmacher-Hymnen (prototypisch: „Cum On Feel The Noize“) auch anders (unsterblich: „Coz I Luv U“). Was die Klamotten, Haare und Schminke angeht, die sind in der Tat oft furchtbar, aber schauen Sie sich mal David Bowie oder Lou Reed in dieser Zeit an.
Der Film
Der Film heißt zwar „Slade In Flame“ (UK 1974, ++), müsste aber eigentlich „Flame“ heißen, wie die fiktive Band, um die es hier geht. Es ist also kein Film über Slade, keine Rockumentary, er enthält keine Darbietung ihrer Hits (sondern nur neues Material) und ist auch keine abgedrehte Musikkomödie, sondern tatsächlich ein ernsthafter Spielfilm. Der Debütfilm von Richard Loncraine (am bekanntesten sind seine Shakespeare-Adaption „Richard III.“ von 1995 und seine Mitwirkung an der „Band of Brothers“-Fernsehreihe von 2002) ist gegen Ende der Sechziger Jahre angesiedelt. Er schildert den Aufstieg der Rockband Flame aus dem Sheffielder Arbeitermilieu, trotz Überzeichnung einzelner Charaktere recht realistisch wirkend wie ein britisches Sozialdrama der Sechziger Jahre. Zum Schluss des Films, auf dem Höhepunkt ihres Erfolges, fällt die Band auseinander, als ihren Mitgliedern dämmert, dass sie zwar alles erreicht haben, wovon sie träumten, aber in einer Welt gelandet sind, die nicht mehr die ihre ist. Das Musikbusiness wird durchweg als korrupt geschildert, vom mafiösen Musikagenten bis zum nicht am Inhalt interessierten Allesverkäufer („It’s all about the packaging“), auch der Piratensender (immerhin sehr pittoresk auf einem der Maunsell Sea Forts in der Themesemündung stationiert) ist von der Musikindustrie gekauft. Überhaupt entwirft der Film - vor allem in der Rückschau - ein eher wehmütiges Bild Englands im Niedergang: Der alte Kanal ist verrottet, die Terraced Houses in der Stahlwerksstadt warten auf ihren Abriss, der Taubenschlag als letztes Refugium einer zum Untergang verurteilten Welt. Dass sich die Musiker als Laiendarsteller neben den professionellen Schauspielern behaupten können, mag auch daran liegen, das sie selber aus dieser Welt stammen. Der von mir sehr geschätzte, britische Filmkritiker Mark Kermode bezeichnete „Slade in Flame“ bei seiner Wiederveröffentlichung 2007 als „Citizan Kane of rock-musicals“. Der Vergleich ist natürlich übertrieben und er wird ihn mit einem Augenzwinkern getan haben, aber der Film ist durchaus ein sehenswertes B-Movie, das über sich hinauswächst und sehr wohl zu den herausragenden englischen Musikfilmen gehört, zumindest in einer Liga mit „Quadrophenia“ und "Control".
Die Musik
Neben etwas weniger bekannten, wie üblich sehr eingängigen Midtempo-Stücken und Hardrock-Krachern (teilweise mit Bläsern angereichert) wartet der Soundtrack mit zwei der schönsten Balladen von Slade auf: Das allseits bekannte, Fern- und Heimweh gleichermaßen besingende „Far Far Away“ mit dem unverkennbaren Trommel-Intro, schaffte es damals noch bis auf Platz 2 der britischen Singlecharts und ist heute Noddy Holders Lieblingssong von Slade. Das weniger oft gespielte, aber die Stimmung des Filmes perfekt treffende „How Does It Feel?“ mit Jim Leas Pianospiel erreichte damals nur noch Platz 15, wird heutzutage aber nicht nur von Noel Gallagher ("one of the best songs written, in the history of pop, ever") gewürdigt.
Die DVD/CD-Box
Die 2007 in Großbritannien als Special Collector’s Edition erschienene, kombinierte DVD- und CD-Ausgabe von „Slade in Flame“ enthält den Film und den damals auch als LP veröffentlichten Soundtrack sowie als Bonus einen knapp einstündigen, recht informativen Interviewfilm der am Film Beteiligten von 2002. Was der Film leider nicht enthält, sind deutsche oder englische Untertitel. Das macht zumindest mir das Verständnis teilweise schon sehr schwer. Dafür gibt es das ganze im üblichen Internethandel schon für den Preis einer CD.


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