Auch wenn mir keiner ein Stöckchen zuwirft, so stolpere ich doch zuweilen über das eine oder andere, zum Beispiel über diese Fußballfragen von Lisa Neun (via Mek Wito). Und da spiele ich auch mal mit.
Erzähl mal - welcher Verein und warum?
Borussia Mönchengladbach natürlich, wer sonst - von frühester Kindheit an. In der benachbarten Kleinstadt Viersen bin ich in den Sechzigern und Siebzigern aufgewachsen. Deren Namen konnte niemand, der mehr als zwanzig Kilometer entfernt wohnte, korrekt aussprechen („Virrrsen“, obwohl es sich doch mit „ie“ schreibt), niemand, der mehr als dreißig Kilometer entfernt wohnte, kannte den Ort, aber jeder machte sich über das Nummernschild „VIE“ lustig („Viehtransporter, haha“). Und eigentlich gehörte ich auch gar nicht hier her, weil doch der Vater aus Ostpreußen und die Mutter aus Thüringen stammten. Der einzige Lichtblick in diesem Jammertal der tiefsten, bundesrepublikanischen Provinz war die Borussia (schon bevor sie das erste Mal Meister wurde). Wenn man sagte, dass man in der Nähe von Mönchengladbach wohnt, bekamen alle Leute leuchtende Augen: „Ah, Borussia.“. Das funktioniert heute noch, selbst in Großbritannien. Natürlich freute man sich als Kind über die Erfolge in den Siebzigern, aber es gab auch genug zu leiden (ich sage nur: Büchsenwurf/Inter Mailand oder Schiedsrichter/Real Madrid). Das nahm später drastisch zu, seitdem es nur noch um den Kampf gegen den Abstieg (oder um den Wiederaufstieg) ging. Der Höhenflug in dieser Saison ist gespenstisch und nur als kurzes Zwischenhoch denkbar. Ein Vereinswechsel ist nicht vorstellbar, es geht schließlich ums Prinzip.Die deutsche Nationalmannschaft ist da ein ganz anderes Kapitel.
Was ist deine verhassteste Schweinephrase?
Ich kann grundsätzlich diese stupiden Beschimpfungen anderer Mannschaften und ihrer Spieler sowie das Fehlen jeglicher Selbstironie unter Fußballfans nicht ab.
Was war dein bisher unangenehmster “Feindkontakt”?
Zum Glück habe ich keinen erlebt. Aber befremdet und angeekelt war ich, als während der Fußball-WM in Deutschland bei einem Aufenthalt in Halle die Fans dort nach einem Sieg der deutschen Mannschaft, rechtsradikale Parolen grölend, durch die Straßen zogen.
Lustigste Fußballanekdote
Wer als Fußballfan ein lustiges Spiel erleben möchte, muss nur die Liebste mit ins Stadion nehmen oder vor den Fernseher platzieren, die mit Fußball nichts, aber auch rein gar nichts am Hut hat und vom Spiel selber wenig mitbekommt, aber immer so lustige, ethnologische Fragen stellt und Verbesserungsvorschläge parat hat.
Was ist für dich die Faszination am Fußball?
Das Zusammenspiel von Mannschafts- und Einzelleistung, von Körperlichkeit und Geistesblitz… der Rest an Unberechenbarkeit, der auch der „objektiv“ schwächeren Mannschaft eine Chance gibt (zweimal gegen Bayern in einer Saison zu gewinnen, aber im entscheidenden Spiel um den Pokalfinaleinzug zu verlieren)… dass auch ein Spiel begeistern kann, das 0:0 endet oder bei dem man zu keiner der beiden Mannschaften hält… dass viele Spiele „im Kopf“ gewonnen werden… dass alle Zuschauerinnen und Zuschauer Experten sind… dass man gemeinsam verliert.
So,T., jetzt übernimm du doch mal.

Kommentare:
Ich kriege ALLES mit, und meine Verbesserungsvorschläge sind sehr gut und praktisch:
Man sollte z.B. schnell zu Anfang ein Tor schießen und dann alle Spieler für den Rest der Spielzeit zusammen ins eigene Tor stellen. Na?! Gute Idee?! Bisher einfach noch keiner drauf gekommen, schätze ich.
Überhaupt entscheidet sich dieses ganze sogenannte spiel ja im Tor. Weshalb es dem Torwächter dann erlaubt ist, sich 20 Meter VOR dem Tor aufzuhalten und auch noch selbst vor den Ball zu treten, kann ich mir nicht erklären.
Sie ahnen, wovon ich spreche...
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