Montag, 30. April 2012

Koninginnedag

Urlaub in Bergen aan Zee (NL/Nord-Holland), 28. April bis 5. Mai 2012, 2/7



Auf einen sonnigen Sonntagnachmittag folgt ein ebenso heiterer Montagmorgen. Dass dabei der liebe Gott, obwohl es ihn doch gar nicht gibt, vielleicht doch seine Finger im Spiel haben könnte, mutmaßt T. auf ihrem Blog, doch ich glaube eher, dass die niederländische Königin für das schöne Wetter gesorgt hat. Schließlich ist heute Koninginnedag und die ganze Niederlande ein einziges Volksfest in Orange. Bereits zum Frühstück zieht draußen die Oldtimerparade vorbei, die in Bergen aan Zee ihre traditionelle Rallye startet. Wir sitzen in der ersten Reihe und schauen vom Balkon aus zu. Winkende Menschen am Straßenrand, winkende Menschen in den ehrwürdigen Automobilen.



Wir lassen unser Auto stehen und fahren mit den Rädern nach Alkmaar zum großen Vrijmarkt, den wir noch in guter Erinnerung haben, als wir vor zwei Jahren dort waren. Aber heute ist nicht mein Tag. Der Sonnenschein und die allgemeine Heiterkeit scheinen meine plötzlich einsetzende, melancholische und zunehmend depressive Stimmung nur noch zu verstärken. Bereits bei der Ankunft in Alkmaar verspüre ich heftige Fluchttendenzen, versuche aber, mir nichts anmerken zu lassen, was nur bedingt und kurzzeitig gelingt. Eine gute Stunde lassen wir uns über den Flohmarkt treiben, R. macht ein paar Fotos, um die Stimmung einzufangen. Ich bin froh, als es weitergeht.







Über Heiloo und mit kurzem Zwischenstop im schönen Park der Wallfahrtsstätte Onze Lieve Vrouwe ter Nood radeln wir auf gut ausgeschilderten Nebenstrecken und Radwegen abseits der großen Straßen bis nach Limmen. Erst dort verfransen wir uns etwas. Unser Ziel ist der Hortus Bulborum in Limmen, der nur während der Tulpenblüte geöffnet ist und einzigartig auf der Welt 2.600 verschiedene Tuppensorten beherbergt, darunter auch alte, längst nicht mehr im Handel erhältliche Züchtungen, die bis ins Jahr 1595 zurückgehen. Wir streifen durch das Blütenmeer, fotografieren die Farbteppiche, einzelne Blüten (vor allem die mehrfarbigen haben es uns angetan) und ihre Details (Stempel, Blätter, Blütenränder).














Aber auch der Farben- und Formenpracht des Tulpengartens gelingt es nicht, meine depressive Verstimmtheit dauerhaft aufzuhellen. Sie bleibt mir den restlichen Tag übergestreift wie eine Bleischürze beim Röntgen, nimmt mir den Atem, macht das Herz verzagt und die Worte viel harscher, als sie gemeint sind. Ärger über mich selber und Missstimmung mit der Liebsten werden sich erst allmählich wieder legen. Ich bin heute eine ziemliche Zumutung für R., für sie ist wahrlich kein Königintag.
 



Über Egmond-Binnen und Egmond an de Hoef geht’s zurück nach Bergen aan Zee. In den Tulpenfeldern sehen wir einen ersten Maler mit Staffelei, der zu jener Gruppe von Landschaftsmalern gehört, die derzeit in Huize Glory ausstellen. In den Dünen steht eine zweite Freiluftmalerin. Da bedarf es schon sehr viel mehr Geduld und handwerkliches Könnens, als mal eben im Vorbeifahren oder - gehen ein Foto zu schießen, wie ich das so mache.










An den Strand zieht es uns heute noch zweimal, einmal vor und einmal nach dem Sonnenuntergang. Zunächst ist es noch sehr voll. Bunte Flecken auf graubraunem Sand. Aus der Ferne gesehen, erscheinen die Leute wie eine Ansammlung von Giacometti-Männchen am Horizont. Und dann noch mal in der fortgeschrittenen Dämmerung nach draußen. Blue for you. Schön leer ist es jetzt. Das schafft Abstand. Ich kann meine geliebten Zwielichtfotos machen und komme allmählich wieder zu mir.



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