Montag, 18. Juni 2012

Arche Noah


Als ich um zwanzig vor acht am Büro ankomme, scheint noch die Sonne. Auch das Reh, das ich bei meiner Ankunft vom Büofenster aus im verwílderten Nachbargarten sehe, kann noch in Ruhe zu Ende frühstücken. Doch dann verdunkelt sich der Himmel. Wind kommt auf, schüttelt die großen, alten Bäume im Park. Ein mächtiges Rauschen. Die ineinander geschobenen Wolkenschichten verkeilen sich. Rasch ist es stockdüstere Nacht. Ein grelles Licht, es blitzt, dann kracht es. Hagel prasselt aufs Dach und an die Fensterscheiben. Als ein Blitz in unmittelbarer Nachbarschaft mit lautem Krachen einschlägt, wird mir ganz mulmig in meinen Dachgeschossbüro. Doch bald geht das Gewitter in Regen über. Die von den Hagelkörnern verstopften Dachrinnen laufen über und ziehen einen Wasservorhang vors Fenster. 



Noch ehe der Regen endet, sehe ich das Reh wieder. Diesmal hat es ein Kitz im Schlepptau. Nicht die letzte Tierbegegnung für heute: Von Kollegin R.s Büro aus erblicke ich einen Igel, der durch den Garten wetzt. Am hellichten Tag. Durch ein Loch im Gartenzaun verschwindet er im Nachbargarten. Am Kopierer im Erdgeschoss stehend, sehe ich Dutzende von Libellen nun wieder im Sonnenlicht über den Teich schwirren. Nachbars Katze räkelt sich unter einem Gartenstuhl, und die tote Amsel mitten auf dem Rasen ist gar nicht tot, sondern hat nur sonnengebadet, ehe sie schimpfend von dannen fliegt. Später dann wieder im meinem Büro stattet mir eine gewaltige Hornisse durchs weit geöffente Fenster einen Besuch ab. Desorientiert torkelt sie von Wand zu Wand. Ich muss an John Belushi als Kampfflieger in Spielbergs "1941" denken und an allerlei Schauergeschichten aus der Kindheit, dass man bereits an ein bis zwei Hornissenstichen sterben kann. Das muss nicht sein. Also trete ich lieber den Rückzug zur Bürotür an. Von dort aus beobachte ich, wie sie schließlich den Weg zurück nach draußen findet. Genug Tierbeobachtungen für heute. Ich habe schließlich auch noch etwas zu arbeiten.

1 Kommentar:

Sunshine hat gesagt…

Na also, da muss ich als insekten halter und freund doch einmal einschreiten:

1. hornets stechen nur wenn sich sich selbst oder hauptsaechlich ihr nest verteidigen
2. es sei denn sie kam von asien, war deine hornisse bestimmt nicht toedlich - es sei denn du bist allergisch, aber dann kann schon ein stich fatal sein, wie bei bienen und wespen auch
3. lass mal die insekten in ruhe: nie sagts du 'ach der fuchs ist zu nahe da have ich angst vor tollwut' oder ' die amsel will ich nicht von zu nahe sehen da sie mir vogelgrippe geben kann', oder 'der igel hat mir floehe gegeben und jetzt muss unser ganzes haus sterilisiert werden' oder 'mal lieber den hund nicht streicheln falls er eine von dengefaerlichen zecken traegt und ich dann lymer-borreliose bekomme - immer wird auf den insekten herumgehackt, wenn doch die anderen tiere uns viel schlimmere krankheiten geben koennen.....